Klaus Ueberholz

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Leder vom Dach der Welt

Der Yak (Poephagus grunniensis) ist ein asiatisches Hochgebirgsrind, das im 4000 Meter hoch gelegenen Tibet heimisch ist.. Yaks werden seit der Jungsteinzeit (ca. 7000 v. Chr.) als Haustiere gehalten. Sie wurden und werden auch heute noch vielseitig genutzt. Der Yak liefert Milch, Fleisch, Wolle, Leder und Brennmaterial (getrockneter Kot). Es ersetzt Motorkraft beim Bestellen der Äcker und bringt Arbeitsleistung als Reit- und Lasttier. Die Ernährung der Bergnomaden Zentralasiens besteht zu über 90 Prozent aus Yakfleisch (häufig als Trockenfleisch), Milch und Milchprodukten.

Die Haut des Yaks ist wesentlich dicker als beim Rind ausgebildet und wird von den Nomaden zur Anfertigung von Schuhen, Gürteln, Lederseilen, Transportbehältern, Booten und Reitsätteln verwendet. Yakwolle wird zur Herstellung von Wolldecken, Strickbekleidung, Stricken, Leinen, Filzstiefeln und Zelten verwendet. Das besondere sind jedoch die Häute, die gegerbt und speziell behandelt, eine besonders feine Narbung aufweisen, sich samtig weich anfühlen und dazu noch äußerst robust sind.

Diese Eigenschaft der außergewöhnlichen Strapazierfähigkeit macht YAK-Leder zu einer Komponente, die bestens zum Qualitätsverständnis der Firma Ueberholz paßt. Möglich wurde die Zusammenarbeit mit der Lhasa Leather Factory in Tibet durch ein deutsches Entwicklungshilfeprojekt. Die Gerberei, die seit Jahrzehnten YAK-Leder vor allem für die Schuhindustrie verarbeitet, wurde in Zusammenarbeit mit deutschen Experten modernisiert und international wettbewerbsfähig gemacht.
Dabei wurden der Anspruch der Hilfe zur Selbsthilfe ebenso verwirklicht wie die Belange des modernen Umweltschutzes. So entstand in dem asiatischen Entwicklungsland ein leistungsfähiger Betrieb, der heute exklusive exportfähige Artikel bereithält.

 

Die YAK-Lederfabrik wurde 1959 von Golmud (Westchina) nach Lhasa verlegt. Die Produktion wurde 1960 aufgenommen, wobei die Abwässer noch ungereinigt in den Lhasa-Fluß geleitet wurden.

Unter Einsatz von Experten aus Deutschland, Österreich und Polen wurde als erstes die Lösung des Abwasserproblems angegangen. Durch neue Maschinen, Verfahren und umweltverträglicherer Technologie wurde die Produktion modernisiert. Weitere Unterstützung erfolgte durch Beratung beim Design, der Qualitätssicherung und -kontrolle, bei der Vermarktung und beim Management.

Die Lhasa Lederfabrik beschäftigt ca. 350 Arbeitnehmer in der Lederfabrik, der Schuhfabrik, Lederwarenfabrik, sowie des Maschinen-Workshops. Neunzig Prozent von ihnen sind Tibeter, zehn Prozent Han-Chinesen. Vierzig Prozent der Belegschaft sind Frauen und sechzig Prozent Männer.

Die Fabrik verfügt über Werkswohnungen, einen Kindergarten, ein Badehaus, eine Schule, eine Krankenstation und eine Versammlungshalle. Das Werk verfügt über eine eigene Trinkwasserversorgung. Die Entlohnung besteht aus einem Grundlohn und Prämien. Die Beschäftigten der Gerberei, in der wegen der Witterungsverhältnisse von Mitte November bis Ende Februar nicht gearbeitet werden kann, erhalten für diese Zeit ihren Grundlohn weiter. Die Fabrik versorgt ca. 230 Rentner.

Das Entwicklungshilfeprojekt "Rehabilitierung der Lhasa Lederfabrik" lief von Ende 1989 bis 1997. Finanziert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, durchgeführt von dem Consultingunternehmen INTEGRATION International Management Consultants GmbH, Frankfurt/Main.

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